Auf dem „Benediktweg“ am Apennin

Die heurige Pilgerwanderung von Ravenna ins Apennin-Gebirge und weiter nach Gubbio wurde wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis. Kultur pur, wohin man auch kommt und schaut, reizende Landschaften und viele spirituelle Impulse: man verspürt den Geist des hl. Franz von Assisi an den Orten seines Wirkens. Und überall finden sich die Spuren der Benediktiner. 

Ravenna mit seinen zahlreichen Kathedralen, Mausoleen und Kirchen und den bunten Mosaiken mit frühchristlichen Darstellungen und Himmelsvorstellungen (5. und 6. Jh.) faszinierte bereits am Ausgangspunkt unserer Pilgerwanderungen. Auf der Via Romea Germanica, bestens beschildert, ging es dann eben und vorbei an weitläufigen, fruchtbaren Obst, Gemüse- und Weingärten und entlang des Ronco und Bidente langsam in die hügelige Landschaft der Romagna. Es ist nicht verwunderlich, dass bereits der berühmte Langobardenkaiser Theoderich seinen Sommersitz zwischen die malerischen Orte von Civitella, Galeata oder Santa Sofia errichten ließ, von dem heute allerdings nicht mehr viel zu sehen ist. Überwiegend schöne Wanderwege, Waldpfade oder Schotterstrassen führen entlang der Berghänge durch die Täler und über die hügeligen Berge. Einige hundert Höhenmeter hinauf und man befindet sich auf Almflächen mit weidenden Rindern.

 So richtig spannend und abwechslungsreich wurde es nach Santa Sofia nach Bagna die Romagna, einem berühmten Kurort, und weiter auf den Passo Serra. Hier folgt man einem mittelalterlichen Saumweg, einstiger Verbindungsweg nach Florenz, steinig gepflastert oder gar über Natursteinplatten, zuletzt über den berühmten ‚grauen‘ Saumweg und über rd. 30 steil ansteigenden Kehren zur Passhöhe. Auf dem Bergsaum folgt man dem E1 längs des Apennins, einem herrlichen Waldpfad, er führt direkt nach La Verna; hier erwischte uns ein starkes Gewitter mit Blitz, Donner und Hagel. 

La Verna selbst war für uns Ausgangspunkt des Weges, di qui passo San Francesco, den der hl. Franz wohl selbst ging. Wir besuchten die Steinfelsen, auf denen er betete, konnten beim Sonnenaufgang seine Stigmatisierung vorstellen und schätzten das hilfsbereite Personal im lieben Kloster. Nach dem Besuch der Morgenmesse folgten wir wohl einigen der schönsten Pilgerwegetappen des Franziskusweges, zunächst hinunter nach Pieve San Stefano ins obere Tibertal, dann hinauf nach Montagna. Man besucht die Einsiedelei Cerbaiolo, ein einst von Benediktinern errichtetes Klösterchen mit herrlichem Blick auf den Tibersee, und den Kraftort Montecasale, ebenfalls ein kleines Bergkloster, welches 1213 von Benediktinern höchstpersönlich dem hl. Franz geschenkt wurde und dieser dort seine erste Mönchsgemeinschaft gründete. Unterhalb befindet sich der Sacro Spicco, ebenfalls ein Gebetsfelsen des San Francesco mit über den Felsvorsprung tropfenden und heilendem Wasser. Schließlich kommt man in die wunderschön erhaltende Renaisance-Stadt Sancepolco („Heiliges Grab“), von aus Jerusalem zurückgekehrten benediktinischen Mönchen im Tibertal gegründet und Heimatstätte des florentinischen Malers und Mathematikers Piero della Francesca. Sein Haus und sein Werk „Die Auferstehung“ im Original zu sehen ist ein Must. Einem Mittelalterfest konnten wir zudem am Abend und mitten unter der Woche hautnah miterleben. 

Vorbei an Tabakfeldern, die gerade geerntet wurden, führt die Via Romea, der Franziskusweg und viele weitere Pilger- und Wanderwege wieder hinauf ins malerische Citerna und auf der anderen Seite hinunter in die Burgstadt Monterchi. Dort befindet sich ein weiteres Werk Piero’s della Francesca, die „Madonna del Parto“, die er zu Ehren seiner dort geborenen Mutter malte und die schwangere Maria Mutter Gottes darstellt.

Ab Lerchi folgten wir nun den Wegen über die hügeligen Berge nach Città di Castello, die wir schon vor 2 Jahren folgten. Teilweise konnten wir uns erinnern, andere Strecken erschienen uns neu. Beim ehemaligen Benediktinerklösterchen „Buon Risposo“, die gute Rast, hat schon einst der hl. Franz angehalten. Heute spenden den Pilgerinnen und Pilger lieb errichtete Brunnen frisches, kühlendes Wasser. Die Città pulsiert und weist viele kulturelle Schätze auf. Im Dom wohnten wir der Freitagabendmesse bei. P. Giovanni gab uns persönlich hernach den Pilgerstempel und sagte, er sei den Franziskusweg auch bereits dreimal nach Assisi gegangen.

Auf unserer vorletzten Etappe nach Pietralungo verließen wir uns ganz auf die hervorragende Markierung mit dem gelben T(au); so versäumten wir die Abzweigung mit den Wald- und Schotterpfaden und hatten eine lange „Asphaltpartie“ zu bewältigen. Am Kraftort der Pieve di Saddi (Kirche der Heiligen) auf der Wiese der Heiligen mit dem für Pilger liebevoll eingereichten Indoor- und Outdoor – Rastplatz mit Selbstbedienung konnten wir uns gut für die letzten 10 km nach Pietralungo erholen. Die heurige Schlussetappe führte uns am malerisch gelegenen, ehemaligen Benediktinerkloster „San Benedetto Vecchio“ vorbei, über einige letzten Anstiege hinunter zur weiten Talebene von Gubbio. Zuletzt rasteten wir im Schatten von Kastanienbäumen bei der Kirche von Loreto, ebenfalls ein kleiner Kraftplatz, bevor uns die Reste des römischen Amphitheaters in Gubbio wieder begrüßten. Ein kurzer Besuch der Messe im Dom San Francesco und natürlich die Kirche Vittorina mit der Wolfsstatue davor gehörten als Abschluss dazu. In der kleinen Kirche trafen wir wieder hinter einem versperrten Gitter den kleinen, alten Franziskanermönch, der uns gerne, wie schon vor 2 Jahren, nach dem Anklopfen die Tür zu seiner ‚Wachkammer‘ öffnete und unsere Pilgerpässe stempelte. Mit dem Taxi nach Città di Castello und dem Bus nach Arezzo, wo wir die Altstadt genossen, sowie dem Nachtzug ging es wieder heim nach Kärnten.

Ab La Verna begegneten wir auch einigen Pilgerinnen und Pilger alter Altersgruppen, fanden durchwegs gute Unterkünfte, vor allem B&Bs mit sehr beherzten Vermietern und Menschen. Es lagen 290 km und mehr als 450.000 Schritte hinter uns. Die geknipsten Bilder brauchen rd. 18 GB Speicherplatz. Das Essen – und der Wein – waren und sind in Italien allerorts unübertroffen ausgezeichnet und sehr preisgünstig.

Es war wieder ein abwechslungsreiches, teilweise auch anstrengendes aber sehr bleibendes Erlebnis, von dem wir noch sehr, sehr lange zehren werden.

Hannes und Karoline

September 2018

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