(Bericht einer Pilgerwanderung in Italien)

Dort, wo Franziskus einst ging, seine Eingebungen und Erkenntnisse gewann, seinen Glauben vertiefte, den Menschen vor allem den Ärmsten, Kranken und Ausgestoßenen half und sie von menschlichen und anderen Ängsten befreite, dort konnten wir auch ein Stück des Weges gehen. Es waren rd. 160 km abwechslungsreiche Landschaft von Lerchi/Città di Castello über Gubbio – die Stadt der Wolfslegende – und Assisi nach Spoleto. Anfangs eher Hügel und verwinkelte kleine Täler mit fast eintöniger Macchia-Bewaldung, später eine große, landwirtschaftlich reich genutzte Talebene, wo uns über vier Tagesetappen die Ausgangs- und Zielorte fortwährend im Blickfeld blieben. Dazwischen ging es über den Monte Subiaso, der mit der Einsiedelei Carceri und der Felshöhle des Franziskus einen spirituellen Kraftort beherbergt.

Das obere Tibertal mit seinen weitverzweigten Nebentälern war schon zu Zeiten der Römer dicht besiedelt. Viele heute noch sichtbare Denkmäler wie Amphitheater, Stadttore und Reliefs sowie natürlich die berühmten Straßen, deren Verlauf wir auf heute überlagerten Straßendecken folgten, zeugen davon. Selbstverständlich hinterließen die Benediktiner ihre Spuren und zahlreiche zumeist aufgelassene Klöster unterstreichen ihr einstiges Wirken. Allerdings haben viele andere Heilige, allen voran der Hl. Franziskus mit seinen Brüdern, die Hl. Klara, die Hl. Angela und Angelina, der Hl. Sabino, die Hl. Ubaldo und Antonius und viele weitere den Orten und Städten spirituell aber noch mehr kulturell den Stempel aufgedrückt. Prächtige Kirchen, Dome und Kathedralen, viele Kirchen, Kirchlein und Klöster in der ganzen Landschaft verstreut mit ihrer Baukunst und vielen Gemälden aus der Zeit der Blüte dieser Städte strahlen heute dem Besucher entgegen. Es ist auch ein echtes Tourismusgebiet, wo es an traditionellen und modernen kulturellen Veranstaltungen nicht mangelt. Und es mangelt vor allem nicht an guten Unterbringungsmöglichkeiten und am Angebot an guter Kulinarik aller Preisklassen.

Dem Pilger bietet sich ein Einblick und die Erkenntnis, dass es für den Hl. Franziskus und die Hl. Klara ein fruchtbarer Boden war, in einem so reichen Landstrich der Erde die einstige Kluft zwischen Reich und Arm, zwischen dabei sein und ausgestoßen sein mit seinem ganzen Hab und Gut, mit ganzer Kraft und Seele zu mildern. Diesem Werk im tiefsten Gottvertrauen durften wir ein wenig nachspüren.

 Hannes und Karoline Maier, September 2016