Grußwort BENEDIKT be-WEG-t Oberösterreich

 „Vor allem verliere nie die Lust am Gehen! Ich gehe jeden Tag zu meinem Wohlbefinden und entferne mich so von jeder Krankheit. Ich habe mir die besten Gedanken ergangen, und ich kenne keinen noch so schweren Kummer, den man nicht weggehen könnte.“ So schreibt der dänische Philosoph Sören Kierkegaard in einem Brief.

Das Pilgern und Wandern erlebt gerade in diesen Zeiten eine Renaissance. Viele Menschen entdecken die Welt neu zu Fuß. Sie wollen dabei nicht ziellos umherstreifen. Es geht nicht nur um körperliche Ertüchtigung oder Flucht vor dem Alltag. Es geht bei vielen um eine bewusste Zeit für sich selbst, um einen anderen Blick auf das eigene Leben zu gewinnen, um eine Sehnsucht nach dem Unerfüllten. Im Pilgern suchen viele Menschen auch nach Größerem, sie wollen den Himmel sehen. „Gott, du mein Gott, dich suche ich, meine Seele dürstet nach dir.“ heißt es in einem Psalm. Dafür müssen wir aufmerksam und wach sein. Wachsein nach Gott hinüber, wie es Romano Guardini einmal ausdrückt.

Der Benediktweg ist ein Weg, der sich quer durch Europa, quer durch Österreich, quer durch Oberösterreich erstreckt. Er verbindet Orte der gelebten Spiritualität miteinander. Klöster und Kirchen sind wesentliche Zwischenziele auf dem Pilgerweg. Das verdeutlicht Dimensionen, die auch zum Pilgern dazugehören: Gastfreundschaft und das Verweilen. Gerade dem Verweilen wohnt eine Kraft inne, die heilt und verändert. Das Verweilen schafft Orte der „Entschleunigung“ und der Besinnung; auf diesem Boden kann Hoffnung wachsen. Und so wünsche ich dem Benediktweg viele Pilgerinnen und Pilger, die auf ihrem Weg nicht nur die wunderschöne Natur und Landschaft erfahren, sondern auch inwendiges Berührtwerden, Gastfreundschaft und die Momente des Verweilens. Wenn das Pilgern am Benediktweg zu mehr Hoffnung, zu mehr Vertrauen, zu mehr Gottesnähe führt, dann ist Großartiges geschehen. Ich danke allen von Herzen, die diesen Weg initiiert haben und sich um die Errichtung und Erhaltung bemühen.

Bischof Manfred Scheuer