Vortrag zum Tag des Judentums

Am Tag des Judentums, 17. Jänner 2026, gab es im Haus St. Benedikt einen profunden Vortrag zum Thema „Antijüdische Kunst in Kärnten“. Dr. Michael Kapeller und
Mag. Klaus Einspieler erforschten und erklärten sachlich klar historische und künstlerische Werke des Antijudaismus in ausgewählten Kärntner Orten. P. Siegfried Stattmann OSB eröffnete die Veranstaltung mit einer herzlichen Begrüßung der Gäste. In seiner Ansprache erklärte er die Bedeutung des Tages des Judentums, der als Zeichen der Versöhnung und des gemeinsamen Erinnerns begangen wird. Der Tag diene dazu, dass sich Christinnen und Christen ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusst werden. Zudem soll an diesem Gedenktag das Unrecht, das jüdischen Menschen und ihrem Glauben in der Geschichte zugefügt wurde, thematisiert werden.
Dr. Kapeller, unter vielem zuständig für interkulturelle Bildung, und Mag. Einspieler, Leiter der Stabsstelle für Bibel und Liturgie, beide tätig in der Diözese Kärnten, führten die Zuhörer durch verschiedene Orte Kärntens, an denen antijüdische Kunst bis heute sichtbar ist. Im Mittelpunkt standen die Orte Thörl-Maglern, Millstatt, Eberndorf, Heiligenblut, Maria Gail, Gurk und Wolfsberg. Die Referenten erläuterten anhand von Bildmaterial und historischen Quellen, wie sich antijüdische Motive in sakralen Kunstwerken, überwiegend Fresken Eingang fanden. So wird unter dem ‚lebendigen Kreuz‘ des berühmten Gemäldes von Thomas von Villach in der Kirche von Thörl-Maglern die Synogoga im Gegensatz zur Ecclesia erniedrigend dargestellt. Entgegen den bezughabenden Bibelstellen sind auf Fresken in Eberndorf und Gurk anstelle von Römern Juden mit den typischen Spitzhüten als diejenigen Personen dargestellt, die Jesus geiseln. Im Spätmittelalter spitzte sich die antijüdische Haltung der Gesellschaft zu und fand in künstlerischen Darstellungen im Auftrag der kirchlichen Obrigkeit von damals ihren Niederschlag.
Beide Referenten wiesen auch deutlich darauf hin, dass man mit diesen Kunstwerken ganz offen umgehen und nichts verstecken muss. Es bedarf einer sachlichen Erklärung auch für die Verantwortlichen der Kirchen vor Ort. Beispielgebend ist z. B. die Schautafel bei der Darstellung der Hostien-Schändung in Wolfsberg.
Der Vortrag im Haus St. Benedikt war ein äußerst sachlicher Beitrag zur Aufarbeitung der regionalen Geschichte und zur Förderung des Dialogs zwischen den Kulturen und Religionen. Für die passende musikalische Umrahmung sorgte Alexander Storfer, der mit ausgewählten Musikstücken die fachlichen Ausführungen elegant auflockerte.
Ein herzliches Dankeschön an P. Siegfried Stattmann, für seine Initiative, alljährlich mit ausgezeichneten Referenten:innen diesem Gedenktag einen klaren Inhalt zu geben.

Zum Nachlesen für die Stiftskirche Millstatt: https://www.kath-kirche-kaernten.at/dioezese/detail/C2643/ecclesia-und-synagoga-in-der-stiftskirche-von-millstatt
Hannes Maier, Jänner 2026
Foto: KHKronawetter, Internetredaktion
