1215 Km am Benediktweg nach Montecassino
Mit dem herrlichen Abschnitt des italienischen „Cammino di San Benedetto“ von Norcia nach Montecassino beendete ich, Joerfolgreich und zufrieden meine große Pilgerwanderung. Sie war als großes DANKE für mein bisheriges Leben angelegt und erfüllte alle Erwartungen. Die letzten 240 Km begleiteten mich mein Frau Karoline und Christine, eine gute Freundin. Wir genossen die herrlichen Pfade und Wege über Berge und durch Täler, entlang von Flüssen, die pittoresken Bergstädte und Dörfer, die unterschiedlichen Kirchen, die vielfältige Kultur aus allen Epochen und natürlich das herrliche Essen. Wir fanden auch gute und günstige Möglichkeiten zum Übernachten, so auch einmal im Kloster Casamari. Es wunderte mich nicht, dass mich dieser Weg bereits vor 11 Jahren so richtig fürs Pilgern begeisterte. Meinen Freunden, Simone di Frignani und all seinen „Amici“ ein großes Danke für diesen herrlichen Pilgerweg.
Der Wiedereinstieg in Norcia mit dem Besuch des Klosters „San Benedetto in Monte“ und der Teilnahme an den liturgischen Feiern war ein besonderer spiritueller Beginn am Geburtsort des Hl. Benedikts. Die weiteren Etappen nach Cascia, Monteleone, Leonessa und über die „Bartholomäus“-Alm hinüber nach Poggio Bustone ins Hl. Tal des Hl. Franziskus sind geprägt von vielen Sanktuarien (Hl. Rita, Hl. Joseph und natürlich von Franz von Assisi). Herrliche Wege und Pfade führen den Pilger durch abwechslungsreiche Landschaften.
Cantalice und das Kloster La Foresta liegen noch vor Rieti, einer wunderbaren Stadt mit vielen kulturellen Sehenswürdigkeiten. Hier holte ich Karoline und Christine vom Bahnhof ab, die mich die weiteren 11 Etappen zum großen Ziel begleiteten. Und dann kommen die weiteren, auf steilen Berghängen und Hügel wie Schwalbennester hinaufgeklebten Orte und Städte wie Belmonte, Rocca Sinibalda, Posticciola, Castel di Tora, Pozzaglia Sabina, Orvinio, Licenza, Mandela, Subiaco, Trevi nel Lazio u. w. In Mandela nächtigen wir bei der umtriebigen Marzia, einer ‚Amica‘ des Cammino in ihrem neuen Hostel-Schlafsaal. Sie begrüßt uns herzlich nach der Olivenernte. Nach Subiaco führt nun ein neuer Weg entlang der Aniene auf fantastischen Waldpfaden und Schotterwegen, über dem Tal ragen dann weitere ‚Schwalbennester‘ in den blauen Himmel. Nur am geplanten Pausentag in Subiaco regnete es zeitweise, wir besuchten das Kloster Scholastica und natürlich das Kloster Benedetto und den Sacro Speco des Hl. Benedikt.
Nach Subiaco führt der Benediktweg weiter durch die Schlucht der Aniene und hinauf nach Trevi nel Lazio, eine sehr wasserreiche Gegend. Mangels eines offenen Restaurants im Ort kochten meine Damen in der netten und geräumigen Ferienwohnung nahe dem Castel ganz oben auf dem Hügel eine herrliche Pasta mit gemischten Salat. Dabei loderte das Feuer im offenen Kamin. Zumeist genossen wir aber die herrliche Küche der örtlichen Trattorias und Osterias. Es gibt viele kleine Sehenswürdigkeiten auf dem weiteren Weg, wie die Kapelle (Edicola) Santa Maria della Porta, wo ich die Glocke läutete, den Arco di Trevi, den wir stolz durchschritten und der Wasserfall in Isola del Liri. Es waren nochmals drei ‚Bergetappen‘ zu bewältigen, wo es so 700-800 Höhenmeter hinauf und einmal auch über 1000m nach unten ging. Die Etappen sind jedoch herrlich angelegt, nur selten über 20 Km lang und lassen wirklich Zeit, in den herrlichen Orten zu verweilen. So auch nach einem herrlich neu angelegten Waldpfad hinunter nach Guarcino, wo wir in einem herrlichen Restaurant Ivana, die ‚Amica‘ – man möchte meinen zufällig – trafen. Sie ist dort Chefkellnerin. Es war wohl große Fügung, denn es zog uns alle nur so ins Hotel und Restaurant direkt am Weg hinein, und nicht nur des Hunger wegen. Wenig bekannt ist, dass in Guarcino der Hl. Benedikt auf seiner Durchreise nach Montecassino eines der 12 kleineren Klöster gründete. Das Südtor („Porta di San Benedetto“) und die Hauptstraße der Stadt sind nach ihm benannt.
Nach Collepardo gelangten wir zum (ehemaligen) Karthäuser-Kloster Trisulti. Vor 11 Jahren waren hier noch einige Zisterzienser aus Casamari aktiv. Trotz aller Versuche, die Museumsleute zu bezirzen, konnten wir leider keinen Blick ins Innere werfen, wir waren eine Stunde zu früh dran. Umso schöner war es dann, im Gästehaus des Klosters Casamari übernachten zu können. Die Kathedrale ist einmalig, harmonisch und mit ihren Serpentin-Fenstern von Wärme durchflutet. Wir feierten dort die Vesper – passiv – mit und wurden nach dem Abgang der rd. 15 Mönche mit einem freundlichen ‚Andiamo‘ aus der Kirche komplimentiert. Am nächsten Tag besuchten wir die Morgenmesse – übrigens einige der wenigen, die es in dieser Gegend gab – und starteten so gestärkt in den doch frischen, aber klaren Morgen.
Die Landschaft ist nun sanft hügelig, dicht besiedelt und die Häuser und die vielen Gärten zeugen von einer reichen Gegend. Es ging durch Olivenhaine bergwärts nach Arpino. Überall wurden die Oliven in aufwendiger, händischer Arbeit geerntet. Arpino, eine alte vorchristliche und römische Siedlung, Geburtsort von Cicero, zeugt von kulturellem Reichtum. Die freigelegte Römerstraße, oben der „Arco a sesto acuto“ und der Cicero-Turm sind Musts für Foto-Shootings. Hier treffen wir auch die beiden italienischen Benedikt-Pilger und Freunde nochmals, er aus Sizilien, sie aus der Toscana, und schließlich nochmals in Montecassino.
Die vorletzte Etappe geht nochmals über die Berge mit kargem Bewuchs. Oben hat man den Blick auf die Gipfel des Apennins im Osten und bei guter Fernsicht – so erklärt es uns Ernesto, ein Olivenbauer hoch oben, der uns auch Weintrauben kredenzt und ein Stück begleitet – auf das Tyrrhenische Meer im Westen. Einzigartig der Pfad zunächst durch große Photovoltaik-Anlagen und später durch Olivenhaine und in Serpentinen hinunter in den Canyon der Melfa, die allerdings kein Wasser führte. Roccasecca begrüßt uns mit der überdimensionalen Figur des Hl. Thomas von Aquin, dem berühmten Kirchenlehrer, der hier als jüngster Sohn einer einflussreichen Familie geboren wurde und zu Beginn des 13. Jh. in Paris, Köln und Neapel wirkte.
Die freudige Schlussetappe führt am Osthang der weiten Ciociaria-Ebene vorbei. Man blickt ins weite, reiche Land, auch mit großen Industriehallen, und geht wieder durch herrliche Orte, wie Santa Lucia und Piedimonte San Germano. Dort treffe ich nochmals auf meinen ‚Hauspatron‘, Lorenzo, ein sehr netter und umtriebiger Barbetreiber mit seiner Mamma. „Madonna, Madonna“ rufen beide, als ich ihnen erkläre, dass ich 1.200 km von Österreich zu Fuß gegangen bin. Er postet meinen Pilgerpass gleich auf Facebook. Viele Tafeln erinnern an die schweren Kämpfe hier und den Hügeln bis Montecassino am Ende des 2. Weltkrieges. So auch der große Soldatenfriedhof vor dem Kloster. Nach vielen Bergecken auf dem neu angelegten Schotterweg – vor 11 Jahre war hier nur ein felsiger Steig – sehen wir endlich das mächtige Kloster noch in einiger Entfernung. Aber die Füße werden leicht, schaffen auch noch den letzten steilen Aufstieg zur Pforte mit der Aufschrift „PAX“, das große – geographische – Pilgerziel ist erreicht, aber auch alle Wünsche und Erwartungen an die lange, 60 Tage dauernde und 55 Etappen umfassende Pilgerwanderung sind erfüllt.
Nach dem letzten Pilgerstempel und dem Erhalt der Urkunde treffe ich noch die junge Sekretariatsleiterin, Dott.ssa Lina De Nicola, sie spricht deutsch und ich erkläre ihr unser Projekt für das Jubiläum 2029. Hier wie in Subiaco waren der (Erz-)Abt oder der Prior an den betreffenden Tagen leider nicht vor Ort.
Die große Pilgerwanderung war ein sehr bewegendes Erlebnis, ein großer Lebenswunsch für mich wurde erfüllt. Der Abschnitt „Franziskusweg“ fehlt noch, den werde ich ehest baldig nachholen. Auch für meine lieben Begleiterinnen war es ein schönes Erlebnis, dass mit einem Kurzaufenthalt in Rom vor der Heimreise noch ausklang.
Hannes Maier, 31. Oktober 2026




































































































































