x

Benedikt bewegt

Florian Riss „LECH LECHA“ in Schottland 2026

Seit 2024 begleitet Florian Riss der Benedikt-Pilgerweg. 2026 nimmt sich der Wiener eine Auszeit, gibt seine Wohnung auf und „macht sich auf den Weg“; das bedeuten die hebräischen Worte „Lech Lecha“. Angespornt durch ein Treffen mit Weitpilgern- und Wanderern und den Ausblick, auch Neues entdecken und entwickeln zu können, findet er in Schottland auf dem Benediktweg seine ideale Pilgerreise: „Diese Pilgerreise ist für mich eine Zeit des Aufbruchs, der Neuorientierung und der Begegnung mit benediktinischer Spiritualität. Hier teile ich Erlebnisse, Begegnungen,  Gedanken und das, was sich unterwegs zeigt. Lech Lecha – Mach den ersten Schritt.“

Am 18. Mai 2026 – nach einigen Tagen auf der Couch von Freunden und Familie – geht es für den gebürtigen Oberösterreicher mit einem Restplatzflug nach Edinburgh. Highlander-Atmosphäre aus Kindheitstagen wird in der schottischen Hauptstadt aufgesogen. Erst in Inverness wird es gemütlich und über Elgin und einen rd. 10km Fußmarsch mit rd. 14kg Gepäck erreicht Florian das Ausgangskloster Pluscarden, Ausgangspunkt oder umgekehrt auch nördlichstes Ziel des rd. 4.000km langen europäischen Benedikt-Pilgerweges.

Er kennt das Kloster und dessen Innenleben aus seinem ersten Besuch 2024: Hier verändert sich plötzlich das Lebensgefühl und der Rhythmus. Der Tag richtet sich nach den Gebetszeiten der Mönche — Gregorianischer Choral, alte Mauern, viel Stille. Teilweise fühlt es sich an, als würde Zeit langsamer werden. Die Benediktiner singen hier noch das komplette Stundengebet,” formuliert Florian seinen ersten WhatsApp-Eintrag, das für ein Pilgertagebuch wird. Über Pfingsten dazu “viele Gespräche mit anderen Leuten führen, die frei werden wollen — um wieder frei zu werden für — das Wesentliche. Natur, Schafe, Kühe, Ruhe, Frieden” tragen das Ihre dazu bei.

Nach einer sonnigen Woche mit benediktinischer Gastfreundschaft – bei Frater Giles, “the one and only Guestmaster” – geht es am 28. Mai tatsächlich los. Die ersten drei Etappen: nach Ballindaloch/Cragganmore, Grantown on Spey und nach Aviemore. Aus seinen ersten Erfahrungen vor zwei Jahren hat Florian gelernt: Wieder war er falsch abgebogen, diesmal aber gleich umgehrt, im Sinne von “Metanoia” (griechisch), eben einen Fehler einsehen, die Richtung ändern und umkehren. “Fortschritt ist eben nicht, keine Fehler mehr zu machen. Fortschritt ist manchmal einfach, früher umzudrehen. Mein Thema für dieses Jahr lautet: ‘Alles wird gut’. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht zu Ende. Karfreitag war schließlich auch nicht das Ende der Geschichte,” so Florian auf seinem WhatsApp-Pilgertagebuch, dass rd. 70 Personen mitverfolgten.

In diesen ersten Tagen hat Florian günstige Camper-Plätze an nahezu allen Etappenorten für Low-Budget-PilgerInnen ausfindig gemacht. Als ihn jedoch auf den weiteren Etappen (Kingussie, Dalwihinnie, Dall Cottage Dalnamein, Pitlochry) typisches schottisches Regenwetter einholte und “bei dem Wetter halt wirklich leider nix trocknen tut” nahm er den Bus nach Pitlochry, einem der schönsten Orte der Region. Es war Fronleichnam, passend die nette Stadt kennenzulernen.

Natürlich ging es mit dem Bus zurück nach Dalwhinnie und die beiden Schlüsseletappen über die Highlands wurden bewältigt: “Manche Etappen brauchen einen zweiten Anlauf. Nicht weil das Ziel falsch war, sondern weil die Freiheit, diesen Weg zu gehen, manchmal erst entsteht, wenn Regen, Gegenwind und andere Hindernisse vorbeigezogen sind.” Die Melodie von ‘Home sweet home’ im trockenen Hostel war für Florian’s Außen- aber auch Innenleben passend bereichernd.

Ab Pitlochry startet – oder endet – der “Rob-Roy-Way”, dem der Benedikt-Pilgerweg nun über die Etappen Aberfeldy, Ardtalnaig am Loch Tay, Killin, Strathyre vorerst nach Callander folgt. Die Etappe am langgestreckten Loch Tay verlief für Florian anders, nämlich am anderen Ufer. Die Kultur in Killin und ein Abstecher auf den Hügel oberhalb des Ortes mit Blick auf den See korrigierten auch die Kilometer.

Für den Pilger-Alltag entwickelte Florian mittlerweile ein einfaches System: In einer Co-op-Filiale, die er jeweils zuerst ansteuerte, fand er alles bzw. Geniales für Hiker: “Dort bekomme ich Kaffee, etwas zu essen und WLAN. Wenn dann noch eine öffentliche Toilette in der Nähe ist, hat man alles, was man braucht.” Er wähnte sich auch auf der sicheren Seite bei dem Gedanken; „Es gibt kein Problem, das nicht durch Gehen gelöst werden kann,“ (Søren Kierkegaard zugeschrieben) sowie dem Umstand, dass auf den mittlerweile 275km in 12 Tagen bereits 26 Rosenkränze zu Buche standen. Zwischendurch wird auch einmal wild gecampt.

Sechs der 18 Etappen stehen noch bevor. Florian legt auch immer wieder Ruhetage ein und eine ‘Männergrippe’ verschafft ihm 3 Krankentage. Über Aberfoyle, Drymen (Ende – oder Start – des Rob-Roy-Way, benannt nach dem Rinderräuber und Nationalhelden von Schottland), Krikintilloch, Falkirk, Linlithgow erreicht Florian am 20. Juni  wieder Edinburgh. “Der Schottland-Abschnitt des Benedikt-Pilgerweges mit seinen 18 Etappen ist geschafft! Am Samstag bin ich in Edinburgh einmarschiert,” schreibt er stolz in sein WhatsApp-Tagebuch. Unterwegs “mitten in der Pampa” entdeckte er einen Benediktweg-Aufkleber. Diesen hat Ernst bei seiner Begehung mit Franz 2022 angebracht. Florian ergänzt ihn mit einem Neuen.

Im “Central Belt”, die am dichtesten besiedelte Region zwischen Glasgow und Edinburgh, übernachtete Florian in und pendelte zu Hostels in diesen Städten; da war es vorbei mit der Camping-Romantik. Die letzten Etappen führen entlang des Forth and Clyde Canal und des Union Canals: “Der Kanal ist im Grunde ein sehr langer Teich – und wenn man 35 Kilometer daneben hergeht, merkt man erst, wie lang er wirklich ist. Hausboote, Schleusen und das Falkirk Wheel sorgten für Abwechslung, aber geradeaus ging es trotzdem die meiste Zeit,” schreibt Florian und “der schottische Regen hatte offenbar Feierabend. Ab Samstag (Anm.: letzter Pilgertag) wurde das Wetter richtig schön.”

Florian’s Fazit:

“Am 28. Mai habe ich die Tore von Pluscarden Abbey hinter mir gelassen. 24 Tage und 420 Kilometer später stehe ich in Edinburgh. Mein Gepäck ist nicht wesentlich leichter geworden, aber ich bin inzwischen Mitglied in zwei schottischen Bibliotheken. 

Beim Sammeln der Stempel übe ich mich in benediktinischer Bescheidenheit. Der Pilgerpass bietet Platz für lediglich 42 Stempel. Vier davon gehören nun Schottland (Pluscarden Abbey, Pitlochry, Drymen, St. Giles Cathedral Edinburgh).

Bezüglich der eigentlichen Ziele – 

Umkehr, frei werden von und frei werden für, „Alles wird gut“:

Nicht auf alles wird es unterwegs Antworten geben. Aber manches ordnet sich neu. Erwartungen, Vorstellungen und Prioritäten.

Manches muss nicht anders werden. Manches ist auch gut, so wie es ist.

Frei von dem, was sein sollte. 

Frei für das, was ist. 

Und frei für das, was kommt.

Von der benediktinischen Spiritualität nehme ich vor allem den Rhythmus mit: Psalmen, Hymnen, die Benediktsregel und das tägliche Gebet mit dem Jugendbrevier des Stiftes Kremsmünster.

Weiter begleiten wird mich das Thema Demut. Benedikt widmet ihr ein ganzes Kapitel seiner Regel. Vermutlich nicht ohne Grund.”

 

… und sein weiterer Ausblick – ebenso spannend:

Wie es konkret weitergeht, weiß ich noch nicht,” findet sich auf seinem WhatsApp-Eintrag. Der nächste Zwischenstopp ist jedoch fixiert. Er ist nach Nunraw zum Sancta Maria Abbey unterwegs und erkundet dort einen möglichen weiteren Verlauf  des Benedikt-Pilgerweges für Schottland, mehr ins Landesinnere, abseits des bekannten Küstenweges im Osten zu den Holy Ilands. “England ist für den Benediktweg bisher nicht erschlossen, und wenn ich dort unterwegs bin, geht es eher darum, mögliche Wege zu finden. Wie man das sinnvoll macht und ob ich Hilfe bekomme, muss ich noch schauen.”

Vielen, vielen Dank lieber Florian für deine Erfahrungen und Bereichungen auf und für den schottischen Abschnitt unseres Benedikt-Pilgerweges. Sie werden sicher weitere PilgerInnen animieren, den Weg – natürlich auf ihre Weise – zu gehen. Wir warten auch schon gespannt auf deine weiteren Erfahrungen.

Hannes Maier,  Juni 2026

        

 

                     

 

 

Newsletter abonnieren

Bleiben Sie mit uns in Kontakt und werden automatisch über Neuigkeiten, Termine oder Angebote informiert.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Anstehende Termine